ensemble recherche in der Elbphilharmonie!

Jetzt haben auch wir in der Elbphilharmonie gespielt!

Eingeladen vom NDR im Rahmen seiner Reihe „das neue werk“, gaben wir am 6. März ein Konzert mit Kammermusikstücken des amerikanischen Komponisten Morton Feldman im kleinen Saal der Elbphilharmonie. Es war inspirierend und berauschend, an diesem sagenhaften Konzertort aufzutreten! Dabei kennen wir weiß Gott zahlreiche schöne Konzerthäuser auf der ganzen Welt.

Man betritt das Gebäude erst, nachdem man es von außen in seiner ganzen Pracht bewundert hat: die Leichtigkeit und Eleganz trotz der Größe und Wucht , der majestätische Blick auf den Hafen mit seinen Frachtschiffen, all das kann man nicht genug bestaunen. Im Inneren geht das Staunen nahtlos weiter: den unerwartet geschwungenen, gleichzeitig strengen wie spielerischen Formen, die einen immer wieder neu überraschen, begegnet man allenthalben, nicht nur in den beiden Konzertsälen, sondern ebenso auf den Fluren, oder in den Künstlerzimmern mit spektakulären Balkonen mit Blick aufs glitzernde Wasser.

Der große Konzertsaal verströmt trotz seiner Größe gleichsam eine intime Atmosphäre. Seine fließenden, wabernden, nie rechtwinklig anmutenden Wände mit ihrer schillernden wie matten Farbigkeit lassen als erstes an ein riesiges freundliches Schiff denken, das sich, von sanften Wellen getragen, ruhig durch das Meer bewegt.

Natürlich bewegt sich “Elphi“ nur in meiner Fantasie, aber ganz abwegig ist diese Wahrnehmung nicht, wenn man auf der großen, gekurvten Rolltreppe nach unten fährt und die Fahrt etwa so lange dauert wie eine U-Bahn-Station! Dabei registriert man links und rechts der Rolltreppe die schönen hellen Wände, welche unzählige, kleinen Bullaugen ähnelnde runde Lichter einschließen. Diese treten nach einem freien Muster einzeln oder in Gruppen jeglicher Zahl auf, um auf dem Scheitelpunkt, magisch schwebend, wie ein Sternenhimmel zu erstrahlen.

Schwebend und magisch ist auch die Musik Feldmans, sie passte perfekt in den kleinen Saal der Philharmonie, der ganz mit hellem, gerilltem Holz ausgestattet  und von oben in dunkelblaues Licht getaucht ist.

Das erste Stück des Abends hieß: „I met Heine on the Rue Fürstenberg“. Feldman beschreibt in einem Essay, wie es zu diesem Titel kam:

„Eines frühen Morgens in Paris ging ich am linken Seine-Ufer durch eine kleine Straße, wo das Studio von Delacroix ist, genau so, wie es vor mehr als einem Jahrhundert war. Ich las sein Tagebuch, in dem er von Chopin erzählt, der einen Ausflug machen wollte, als der Dichter Heine vorbeikam, ein Flüchtling aus Deutschland. Auf der Straße hatte sich nichts verändert. Und ich sah Heine an der Ecke auf mich zugehen. Er hat mich fast erreicht. Ich hatte dieses intensive Gefühl für ihn, wissen Sie, das jüdische Exil...Ich sah ihn. Dann ging ich zurück nach Hause und schrieb mein Stück „I met Heine on the Rue Fürstenberg.“....

Ein Reigen seeliger Geister durch die Elbphilharmonie...

Melise Mellinger

 

Was für eine Zeitreise....vor gut 35 Jahren, während meines Studiums in Hamburg, liebte ich es besonders, mit meinem Fahrrad an freien Tagen durch den Hamburger Freihafen und die Speicherstadt zu radeln und die Arbeiten dort zu beobachten (ohne Pass oder Personalausweis kam man dort nicht hin). Und nun führte es mich wieder dorthin, mit dem ensemble recherche in die Elbphilharmonie. Für das erste Konzert der Reihe des NDR „das neue werk“ in der Elbphilharmonie waren wir eingeladen, ein Porträtkonzert mit Werken von Morton Feldman zu spielen.

Der kleine Saal, mit seiner eigenwilligen, aber wie ich finde wunderbaren Wandgestaltung aus Eichenholz, ist für diese Musik nahezu ideal. Er klingt sehr transparent, jeder Klang trägt, auch die leisesten Töne (dass die Lüftung jedoch relativ laut ein tiefes „D“ summt, sollte in Zukunft zu verhindern sein...).

Im ersten Teil des Programms standen Kammermusikwerke aus den verschiedenen Schaffensperioden Feldmans, im zweiten folgten die Filmmusiken Feldmans, live gespielt zu den Dokumentarfilmen über die Maler Willem de Kooning und Jackson Pollock von Hans Namuth und Peter Falkenberg.

Der Saal ausverkauft und natürlich, wie bei solch einem neu eröffneten Prachtbau üblich, auch mit Zuhörern, die wegen des Gebäudes und nicht wegen des Programmes im Saal waren. Eine große Herausforderung für einige Gäste. Nach dem Konzert sprach mich eine Familie an, Hamburger seit vielen Jahren, und nun endlich zum ersten Mal in der (ihrer) Elbphilharmonie. Noch nie hatten sie solch eine Musik gehört!  Und sie waren voller Begeisterung und bedankten sich mehrmals für dieses für sie völlig neue Musikerlebnis! Solche überraschten, begeisterten Zuhörer kann man sich nur wünschen!

Die Elbphilharmonie, ein wirklich beeindruckendes Gebäude, von außen, im Backstagebereich sowie beide Konzertsäle! Und der Blick aus dem Foyer oder den Stimmzimmern über den Hafen oder die Hamburger Innenstadt, wunderbar!

Martin Fahlenbock

 

 

 

 

Fotos: Klaus Steffes-Holländer